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Sollten Lehrer bloggen?

Ich habe mich im Fach Medientheorie mit der Beziehung zwischen Lehrern und Schülern auf Online-Plattformen beschäftigt. Explizit am Beispiel Facebook.

Es ist ein ständiges Kommen und Gehen bei den Jugendlichen. Meist ohne mögliche Risiken und Folgen in Betracht zu ziehen, surfen sie auf Facebook. Ob sie sich dabei ausloggen, wenn sie auf weiteren Seiten das Web durchstöbern, bleibt offen. Vermutlich eher nicht. Das sie es jedoch sollten, ist mittlerweile öffentlich bekannt. Facebook speichert nämlich sämtliche Verläufe der Browser ihrer User. Datenschutz und Facebook. Die ewige Diskussion in Deutschland. Im dritten Quartal 2013 kam ein neues Thema diesbezüglich auf, welches sowohl Schüler, als auch Lehrer betrifft. Das Facebook Verbot für Lehrkräfte.

Weiterlesen - Teil 1

Dabei bleibt natürlich die Frage der Durchdachtheit solcher Verbote offen. Sichert solch eine Einschränkung das Schulwesen vor neuen Gefahren, oder bleiben neue Optionen der Lehrer-Schüler Kommunikation somit versperrt? Fakt ist, wenn Lehrer regelmäßig mit Schülern über das Internet auf sozialen Medien in Kontakt treten, würde dies eine Veränderung auf das schulische Umfeld bewirken. Inwiefern man diese prognostizieren kann, bleibt fragwürdig. Eine Klasse bietet schließlich auch immer eine gewisse Unberechenbarkeit. Dennoch kann man wichtige Punkte einzeln herausgreifen und genauer betrachten. Welche Möglichkeiten würde eine solche Einführung eines Lehrer-Blogs auf Facebook bieten? Das ist mit vielen Fragen verbunden. Welche Inhalte werden geteilt? Sind es Zusatz-, Wiederholungs- oder komplett eigenständige Inhalte? Ab welchem Alter der Klasse führt man einen solchen, Social Media basierten Webblog ein? Sollte man Schülern ab dem Beginn der fünften Klasse einen korrekten Umgang mit den Medien beibringen? Werden Schulen dadurch zusätzlich vom Staat subventioniert und bekommen extra Förderung? Wie sollen sonst zusätzliche Lehrveranstaltungen und Lehrkräfte bezahlt werden? Betrachten wir diese Fragen als vernachlässigbar und beschäftigen uns mit einem fiktiven Beispiel.

Weiterlesen - Teil 2

Der Umgang mit Social Media wird ab der fünften Klasse unterrichtet und von dort an durch den Klassenlehrer weiter mit einem Blog auf Facebook betreut. Die Absicherung, dass die Schüler Social Media Plattformen bewusst nutzen, sei somit grundlegend gegeben. Sicherlich spielt auch hier meist die Persönlichkeit, die Auffassung und die Reife der Fünftklässler eine wichtige Rolle und sollte bei Bedarf individuell betreut werden. Prinzipiell handelt es sich jedoch um einen pädagogisch wertvollen Einsatz. Allerdings würden dadurch wiederum mehr Aufwand und Kosten auf den Staat zukommen. Ein anderes Szenario, dem hauptsächlich in den Oberstufen Geltung zukommt, ist die einfachere Erreichbarkeit der Schüler. Schüler ab der neunten Klasse ohne Social Media sind mittlerweile unvorstellbar. Als Vergleichswert nutzen 76% aller 14-29 Jährigen Onlinecommunities zum gemeinsamen Austausch. Es ist ein offenes Geheimnis, dass diese Prozentzahl sich erheblich steigern würde, wenn man eine solche Umfrage auf die 16-23 Jährigen minimiert. Dadurch erkennt man, was für einen wichtigen Nutzen Social Media Netzwerke für Lehrer haben können. Zu diesem Punkt kommt eine andere, noch wesentlich bedeutungsvollere Facette hinzu. Noch einmal, der Lehrer kann über Social Media Netzwerke also eine große Anzahl an Schülern gleichzeitig erreichen. Generell wurde das bisher durch Mundpropaganda und Blackboards gelöst. Was dadurch jedoch nicht erreicht werden kann, ist die Flexibilität und Einfachheit der Kommunikation mit Schülern. Ist ein Lehrer krank, könnte er dies kurz in den Status seines Facebook Blogs schreiben. Das würde morgens trübe Gesichter vermeiden, welche frustriert sind, dass sie nicht vorher erfahren haben, dass sie ausschlafen hätten können. Außerdem würden sich Exkursionen und Veranstaltungen leichter planen und besprechen lassen. Alles unter Einschluss der Schülerschaft.Dadurch treten natürlich auch Risiken auf. Zum einen bröckelt die Fassade, welche sich ein Lehrer vor seiner Klasse aufgebaut hat. Lassen sie mich das kurz erklären.

Weiterlesen - Teil 3

Ein Lehrer existiert für die Schülerschaft stets nur aus einer Parzellierung seiner selbst. Er offenbart seine persönlichen Interessen und Erlebnisse höchstens in Form von einstudierten, beispielhaften Erzählungen, die er auf den Kontext seines Lehrinhaltes reflexieren kann. Ansonsten wandelt sich seine Persönlichkeit mit dem Betreten des Haupteingangs seiner Schule in seine dienstliche Fassade um. Wenn ein Lehrer mit seinen Schülern über Facebook befreundet ist, zieht das eine komplette Darlegung seiner Aktivitäten nach sich. Durch die Veröffentlichung in Facebook und den persönlichen Umgang mit Schülern, kann diese Fassade dann schnell zum Einsturz gebracht werden. Eine Lehrkraft sollte sich deshalb mit den Privatsphäre- und Konto-Einstellungen befassen und ihren Blog nicht über ihr persönliches Facebook-Profil verwalten. Persönliche Facebook-Profile. Ein gutes Stichwort. Je nachdem, ab welcher Altersklasse die Schule kontinuirlich Inhalte für die Klassen im Internet bereitstellt, wird es mehr oder weniger persönliche Profile unter den Schülern geben. Für alle anderen wird somit eine Anmeldung vorausgesetzt. Das bedeutet, Schüler werden durch die Schule und ihre Lehrer aufgefordert, sich bei den jeweiligen Plattformen zu registrieren. Die Alternative wäre die freie Wahl, ob sich ein Schüler am Webblog beteiligen möchte. Hinter dieser Aussage verbirgt sich aber mehr. Gäbe es die freie Wahl, ob man sich an den Online-Inhalten der Lehrkräfte beteiligt, wären diese nicht essentiell notwendig. Was im Zusammenschluss bedeutet, dass das Projekt Webblog für die Altersgruppe der 12-18 Jährigen somit zum Scheitern verurteilt wäre. Wieso? Nur eine minimale Prozentzahl der Jugendlichen aus dieser Altersgruppe würde sich freiwillig für Zusatzinhalte interessieren. Außerdem kommen diverse, weitere Faktoren hinzu, welche einen Webblog fragwürdig erscheinen lassen. Speziell ein Webblog, der über Facebook betrieben wird. Jugendliche verbringen ohnehin zu viel Zeit auf Facebook und anderen sozialen Netzwerken. Prokrastination ist ein passender Begriff der mit dieser Zeitverschwendung einhergeht. Das stetige Aufschieben von wichtigen Dingen, indem man sich mit unnötigem beschäftigt und ablenkt. Ob der richtige Weg ist dies durch eine schulische Nutzung des Internets weiter zu fördern erscheint kontrovers. Ganz im Gegensatz dazu erscheint die Argumentation von Cord Santelmann. Der Vorsitzende des Philologenverbands vertritt die Meinung, dass persönliche Gespräche und Telefonate eine weitaus prägendere Wirkung auf Jugendliche haben. Diese Aussage lässt wenig Spielraum, ist sie doch ebenso präzise wie einleuchtend. Allgemein rät der Philologenverband den Lehrkräften, die professionelle Distanz zu wahren. Diskretion müsse sein.

Weiterlesen - Teil 4

Doch wo beginnt diese Diskretion? Ab wann ist es bereits zu viel? Wieviel Freiraum können sich Lehrer nehmen? Wenn das Personal einer ganzen Schule sich auf Facebook anmeldet, bedeutet dies im Umkehrschluss, dass nicht nur die Schüler, sondern auch die Lehrer, immer erreichbar wären. Das bietet Angriffsfläche. Angriffsfläche für sorgevolle Eltern die sich stets nach neuen Ereignissen bezüglich ihrer Kinder erkundingen. Angriffsfläche für Jugendliche die den Referendar nicht ernst nehmen und verbal attackieren. Letzteres ist spekulativ gesehen die Ausnahme. Dennoch: der Lehrer wird weiteren Stresssituationen ausgesetzt. Vermutlich begrüßen deshalb so viele Lehrer Baden-Württembergs, das Facebook Verbot des Kultusministeriums. So gelangen sie nicht in die Zwangslage, sich vor ihren Schülern rechtfertigen zu müssen. Auch die Schüler sollte man nicht vergessen. Auch sie müssten durch die Verbindung zwischen ihnen und ihren Klassenlehrern in Facebook, Einschränkungen erdulden. Sicherlich gibt es hierzu Alternativen. Diese werden jedoch erst später angesprochen. Kommen wir zurück zu den möglichen Gefahren, mit denen Schüler konfrontiert werden könnten. Zum einen ist dort das viel diskutierte Thema Cyber-Mobbing. Sicherlich bezieht sich dies lediglich auf die Schüler-Schüler Beziehung. Dennoch wird sie hier erwähnt, da sich in einem Fall der Zwangsanmeldung durch die Schule, auch unbeliebte Schüler der öffentlichen Internetplattform und damit ihren Mitschülern aussetzen müssen. Desweiteren gab es bereits mehrere dubiose Fälle zwischen Schüler-Lehrer Beziehungen innerhalb Facebooks, welche sowohl sehr private, als auch pornografische Inhalte umfassten. Pornografische Inhalte mit minderjährigen Schülern. Themen wie diese, lassen eine wichtige Frage aufkommen. Können die Gemeinden sich überhaupt noch auf die Kompetenz der Lehrer und einen kulanten Umgang durch die neue Lehrer-Schüler Beziehung verlassen? Die Grenze ist theoretisch klar gesetzt. Es sollten keinerlei personenbezogene Daten über Facebook übermittelt werden. Der Grund hierfür ist komplex, jedoch einfach zu erklären. Die Server von Facebook liegen im Ausland. Deswegen nimmt sich Facebook das Recht, alle Daten, die diesen Server durchlaufen, also auch die in Deutschland, nach den amerikanischenen Gesetzen zu behandeln. Wenn Facebook also unsere Nachrichten kontrolliert und abspeichert, arbeiten sie nach ihren amerikanischen Gesetzen und „missachten“ im Prinzip unsere Grundrechte. Die Argumentation ist jedoch solide, da sich die Daten in dem Moment, in dem sie abgespeichert werden, auf amerikanischen Boden befinden.

Weiterlesen - Teil 5

Was bedeutet das? Auf den Punkt gebracht sollten demzufolge keine wichtigen Daten über Facebook versandt werden. Das war der ausschlaggebende Punkt für das Kultusministerium Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, ein Facebook Verbot für Lehrer einzuführen. Die Ministerien gehen somit sicher, dass keinerlei personenbezogener Daten durch Facebook abgegriffen werden. Der Datenschutz und Datenmissbrauch hat hier höchste Priorität. In Stein gemeiselt. Das trifft auf das letzte Argument zu. Solch eine Missachtung der deutschen Grundrechte bietet keinerlei Potenzial für weitere Diskussionen. Oder gibt es vielleicht doch alternative Lösungen? Die gibt es. Sie setzen jedoch auch voraus, dass Lehrer sich intensiv mit Facebook auseinandersetzen. Natürlich dürfen trotzdem keine relevanten, personenbezogenen Inhalte über die sozialen Netzwerke geteilt werden. Entgegen der Nutzungsbedingungen würde aber ein Zweitprofil der Lehrer für eine Entlastung sorgen. Damit wäre der konstante Aktivitätszwang ausgehebelt. Außerdem könnten geschlossene Gruppen genutzt werden, falls keinerlei Bezug auf die Facebook-Profile genommen werden soll. Die beste Alternative wäre, sich komplett von Facebook zu lösen und andere interne Schulnetzwerke bzw. Intranets zu errichten, wie es an Universitäten und Hochschulen der Fall ist. Mit einer eigenen E-Mail Adresse für die Schüler und Zugang zu Servern für den gemeinsamen Austausch. Eine vereinfachte Form wären Lernplattformen wie Moodle, die wie ein Intranet, lediglich Mitgliedern der Schule einen Zugang gewähren. Lehrkräfte haben sich selbst zu diesem Thema geäußert und zu verstehen gegeben, dass sie für ein internes Netzwerk an ihrer Schule wären. Es gibt also viele alternative Ansatzmöglichkeiten für eine Weiterentwicklung der Schulen. Genügend um das Thema der online Lehrer-Schüler Beziehung bereits als beendet zu betrachten.

Weiterlesen - Teil 6

Wie stehe ich also persönlich zu diesem Thema? Durch die Auseinandersetzung mit dem Themengebiet Facebook an Schulen und den online Lehrer-Schüler Kontakt, verschiebt sich meine Meinung. Ich war zunächst der festen Überzeugung, dass Lehrer-Blogs für Schulen der Sekundarstufe 1 den absolut falschen Ansatz, für eine bessere Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern, bieten. Mittlerweile erkenne ich, dass vor allem die Intranet-Alternative eine erziehungswissenschaftlich wertvolle Auswirkung bei den Schülern erzielen könnte. Eine Universität oder Hochschule ohne Intranet wäre für mich unvorstellbar. Weswegen sollte diese Umstellung also nicht auch bei den Mittelklassen erfolgsversprechend sein. Einen richtigen Blog eines Lehrveranstalters finde ich erst sinnvoll, wenn bei seinen Schülern das Interesse am selbstständigen Erweitern ihres Wissens besteht. Wenn man also alle Faktoren in Betracht zieht und sich lange mit diesem Thema befasst, ergeben sich gute Ansatzmöglichkeiten zur Verbesserung. Inwiefern diese auf Grund finanzieller Mittel umsetzbar sind, ist eine andere Geschichte. Eine interessante Geschichte, mit der sich die Ämter durch den medialen Zuwachs zunehmend beschäftigen sollten.

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